lil·y, 2019

 

Welche Rolle die Blume ein- oder annimmt bleibt offen, die Beschäftigung mit der symbolhaftigkeit ist

in der Arbeit impliziert, nimmt aber nicht mehr Raum ein, als die Bearbeitung mythologischer Themen und die historische, politische und kulturelle Verstrickung derer Arbeitsfelder. Die Lilie birgt Sagen der grossen antiken Hochkulturen deren Mythen in die heutige kulturelle Produktionslastigkeit impliziert werden können. Als eine der ersten kultivierten Zierpflanzen, bereits drei Jahrtausende vor Christus, spricht sie globale Probleme unserer Agrokultur an. Ihre Attribute wie Reinheit, Fruchtbar- und Sinnlichkeit enthalten feministische Ansätze und die Beschäftigung mit Körper und Körperlichkeit. Die assoziative Narration in der Oberfläche der Installation lässt an den Grenzen von unvergänglicher plastifizierung und ökologischem Zerfall oszillieren. Abgebildet ist eine Lilie, bestehend aus 13‘000 Kabelbindern. Die Konstruiertheit der Installation wird sichtbar gemacht durch die Handarbeit jeder einzelnen Verknüpfung. Dabei wird die Protagonistin zur Maschine und sinkt in einen geistigen kontemplativen Zustand. Reflektierend befasst sich die Arbeit mit einer privaten Realität, Verzauberung oder deren Idealisierung. Mit der bewussten Wahl des Trägers und dessen implizierter Darstellung, demonstriert die Arbeit ihr spielerisches und permutationsorientiertes Denken.

FLEURS DANS MA TÊTE

16. August 2019

Antonina Businger (*1990 in Zürich) setzt sich in ihrer Arbeit mit Schnittstellen, Zwischenräumen und Reaktio- nen auseinander. Ihre Bilder resultieren aus Tagträumen
in denen sie ihre Gedankengänge über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ihren Arbeiten darstellt. Ausge- hend von der Frage, was Malerei ist und wie sie funktio- niert, reflekriert sie das Problem der Setzung. Ihre additive Arbeitsweise beginnt mit einer Vorstellung, darauf folgt die erste Setzung des Grundes, fortlaufend wird nach dem Trocknungsprozess verdichtet oder radiert. «Es ist immer das Problem von Setzungen, entweder möchten sie zu viel oder zu wenig oder sie können es gar nicht.» Sie geht von einer Idee aus, dann aber übernimmt das Bild und sie ver- liert dabei die Kontrolle. «Es darf nicht auf dieser banalen, marginalisierten Frage und Antwort beruhen – es braucht mehr.»

Mit der bewussten Wahl des Trägers, demonstriert sie
ihr spielerisches und permutationsorientiertes Denken. Im Gegensatz zur ungegenständlichen Malerei kombiniert sie Sujet mit Abstraktion und lässt den Raum dazwischen offen. Diese Lücke lässt Interpretation zu und macht aus dem Be- trachter in seiner eigenen Vorstellungskraft ein visuell Mit- wirkender, der das Bild in seinen Endzustand denkt.

– Maélys de Blanc

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